Hospiz  

In Deutschland ist die Hospizbewegung vergleichsweise jung.

1986 wurde das erste Hospiz in Aachen gegründet. Inzwischen gibt es in Deutschland derzeit rund 1000 ambulante und etwa hundert stationäre Angebote sowie siebzig Palliativstationen*), also Einrichtungen mit kompetenter Schmerzbehandlung. Durch die Hospizarbeit können 30 000 der jährlich 850 000 Sterbenden begleitet werden.
Der Name Hospiz steht heute für eine umfassende und ganzheitliche Begleitung eines unheilbar Kranken in der Endphase seines Lebens. Das moderne Hospiz gibt nicht vor, die Sterbe-begleitung erfunden zu haben, und erklärt auch nicht alle anderen, die sich um Sterbende kümmern für inkompetent, sondern möchte ergänzen, wo Hilfe nötig ist.

Hospize verschiedener Prägung sind historisch bereits im Mittelalter nachzuweisen und dienen vornehmlich dem Schutz der Pilger.

Im Lateinischen bedeutet Hospitium Gastfreundschaft, Herberge. Heute finden wir diesen Wortursprung noch in Hospital. Schon um die Jahrhundertwende richteten irische Ordensfrauen in Dublin und London Hospize ein, die Sterbende aufnahmen und pflegten, die keine andere Möglichkeit der Betreuung hatten. Diese ersten Hospize konzentrierten sich auf Sterbebegleitung. Anzumerken ist, dass die mittelalterlichen Hospize selbstverständlich auch für Sterbende da waren.

Eine inhaltliche Wandlung erfuhr der Begriff Hospiz durch die englische Krankenschwester, Sozialarbeiterin und Ärztin Cicely SAUNDERS, die zunächst als Sozialarbeiterin in London arbeitete und erkannte, wie unangemessen Sterbende in den Krankenhäusern betreut wurden. Sie studierte Medizin und beschäftigte sich mit Schmerzforschung. Nach jahrelanger Vorbereitung eröffnete Dr. Cicely Saunders dann 1967 das St. Christopher Hospiz in London.

Weder Name noch Idee der Sterbebegleitung waren neu, sondern die Ergänzung der bisherigen Sterbebegleitung durch fundiertes Fachwissen, insbesondere im medizinischen Sektor. Mit ihrem Hospizkonzept wollte C. S. keine neue Institution für Sterbende gründen, sondern sie legte großen Wert darauf, Sterben zuhause wieder zu ermöglichen. Das flexible Konzept sollte sowohl für Sterbende zuhause als auch in Pflege- und Altenheimen sowie in Krankenhäusern angewandt werden. Das moderne Hospizkonzept verbreitete sich rasch in den angloamerikanischen Ländern, etwas später in den Industrie- und Entwicklungsländern.

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Literatur: "Hospizpraxis" Albrecht / Orth / Schmidt, Herder Spektrum 1995 und "Pflege Heute", Arne Schäffler et al, Hrsg., Gustav Fischer Verlag 1998 *) palliativ (lat. palliare = mit einem Mantel umgeben) Behandlung der Symptome, z.B. durch Schmerztherapie, wenn eine Ursachenbehandlung nicht mehr möglich ist.